Alles ist anders auf der Welt – zwei weitere Inklusionsworkshops mit Schüler/innen der 5. Klasse

Endspurt Allen Alles Ganz! Im November und Dezember haben zwei weitere  Schülerworkshops in den 5. Klassen der Grundschule stattgefunden. Die Arbeitsergebnisse der Schüler zum Thema Was geht und was geht nicht im inklusiven Miteinander sind gewohnt positiv. Und das Feeback der Eltern besagt, dass es den Kindern Spaß macht und sie es interessant finden, sich spielerisch und gleichzeitig arbeitsintensiv mit den Themen Behinderung und Umgang mit Vielfalt zu beschäftigen. Die meisten Feedbacks sind wie diese: „Cool, daß man darüber redet. Sonst denkt man darüber nur“. Da die Dokumentationen den Eltern vorbehalten sind wegen des vielen Bildmaterials, soll hier kurz das Konzept vorgestellt we3rden. Ja nach Zeitumfang und Bedarfen der Klassen können Inhalte variieren, aber das Grobkonzept sieht so aus:

1. Stärken und Schwächen hat jeder Mensch – Die Schüler/innen tauschen sich über ihre Stärken und sog. Schwächen aus und gestalten dazu Plakate in 3er oder 4er Gruppen. Was die Kinder gerne und gut tun, was sie interessiert, was ihnen Spaß macht und wo sie ihre Schwächen sehen, wird auf dem Plakat sichtbar. Sichtbar ist auch, was alle drei gemeinsam haben, zwei als Gemeinsamkeit entdeckt haben und was ein Kind alleine ausmacht.

2. Einzigartigkeit und Vielfalt – wo können ihre Vorteile liegen?

Alle Kinder erhalten einen Halbedelstein und umfassen diesen mit der Faust. Das Zitat eines ehemaligen Förderschülers, der inzwischen als Arbeitnehmervertreter im Vorstand von Porsche agiert, wird in die runde gegeben: „Die 5 Finger sind unterschiedlich lang. Nur weil das so ist, funktioniert unsere  Hand so gut“. Die Kinder ergänzen dann mit eigenen Argumenten warum sie es gut finden, neben Gemeinsamkeiten auch Unterschiede zu haben. „Das wäre total langweilig“. „Man könnte gar nichts neues lernen“. „Die ganze Welt sähe gleich aus und die Menschen würden alle das gleiche  sagen und tun“. „Es gäbe keine Erfindungen“ und „Wir hätten uns nichts zu erzählen“.

In der Praxis ist es trotzdem nicht immer leicht, den Wert von Anderssein und Stärken Anderer zu sehen, wenn gerade mal etwas oder  eine/r  „nervt“. Da ist es so wie mit den Edelsteinen. Wenn wir auf die Rückseite einer Amethyst-Druse schauen, sehen wir nur rauhen, grauen Stein. Den Schatz dahinter sehen wir erst, wenn wir der Sache auf den Grund gehen und den Stein umdrehen.   „In jedem Menschen ist etwas Kostbares, was so nur in ihm ist“ (M. Buber). Mit diesem Satz erhalten die Schüler/innen einen Edelstein als Geschenk.

3. Erfahrungen machen: Den größten Teil des Workshops nimmt das „Erfahrung machen“ und das „sich hineinversetzen“ in diverse Arten von Beeinträchtigungen ein. Das aufregendste sind für die Kinder die Fahrt im Rolli und die Brille, mit dem der sog. Grau Star simuliert wird. Hier werden schnell die Hindernisse und Barrieren klar, mit denen Menschen behindert werden von ihrer Umwelt: fehlende Treppen, zu enge Türen, Menschen, die nicht hilfsbereit sind oder gar abfällige Bemerkungen machen. In einem Elternfeedback heißt es dazu: „Der Gedanke, wie es einem Kind mit einer Behinderung wohl geht und dass es nicht bemitleidet werden möchte“ hat mein Kind stark beschäftigt.  Dass nicht nur körperliche Beeinträchtigungen simuliert werden, sondern auch andere – vielleicht die des Tischnachbarn – steht ein wenig im Schatten von Rolli und Co.

Für einige Eltern kann der Eindruck entstehen, dass „…Behinderungen oder Schwierigkeiten, wie sie manche Kinder in der Klasse haben, nicht gesprochen wurde“ (Zitat aus einem Elternfragebogen).

Mit Schreibübungen, einer Zeichenübung, einer Wahrnehmungsübung und mit einem Rollenspiel werden Erfahrungen möglich, wie sich einige  Kinder tatsächlich fühlen und wie sie sich verhalten.

Thematisiert werden: Konzentrationsschwierigkeiten/Aufmerksamkeitsdefizit, auditive und visuelle Wahrnehmung sowie andere und ihre Mimik/Sprache nicht entschlüsseln zu können. In der Auswertung im Anschluss wird gemeinsam aufgedeckt, welche Beeinträchtigungsbereiche erfahren wurden. Dabei wird auch über Menschen gesprochen, für die schwere Texte oder Matheaufgaben eine nur schwer oder auch nicht zu lösende Aufgabe sind.

Dabei ist es nicht das Ziel, einzelne Kinder zu „outen“. Alle werden gefragt, was sie davon selber kennen und wie sich sich fühlen bzw. was sie selber machen, wenn ihnen alles zu viel ist, es ihnen zu laut ist oder sie eine vermeintlich leichte Aufgabe nicht lösen können.

Es kann sein, dass ein Schüler mit Autismus diese Art von Beeinträchtigung selber nennt, oder auch nicht. Schüler und ihre Eltern entscheiden selbst, wie offen sie damit umgehen (wollen und können).

Wichtig ist im Ergebnis, dass unsere Kinder andere wertschätzen und mit ihnen zusammen lernen und leben können – unabhängig davon ob und was für eine Beeinträchtigung sie vielleicht haben.

Ich bin anders, du bist anders. Gemeinsam lernen und leben wir an dieser Schule soll gelebtes Motto sein. Sich abgrenzen zu können ohne abzuwerten/auszugrenzen und auf diskriminierende Bemerkungen wie „Das ist ja voll behindert“ zu verzichten, ist ein Ziel der Workshops.

4. Was geht und was geht nicht für ein inklusives Miteinander in unserer Klasse

Mit der abschließenden Kopfstandmethode überlegen die Kinder gemeinsam, was sie möglichst alles dafür tun können, damit sich ein neuer Mitschüler ausgegrenzt und schlecht fühlt in der Klasse. Das mit den Ideen gefüllte Plakat wird dann „auf den Kopf gestellt“ und die Schüler/innen entwickeln Ideen, was hilreich dafür sein kann, dass sich (alle) Menschen in einer Gruppe wertgeschätzt fühlen und ein inklusives Miteinander existiert.

Aus dem Feedbackbogen eines Elternteils stammt die Aussage „Aufklärung und Miteinanderreden ist total wichtig um gewisse Barrieren abzubauen und für alle eine große Bereicherung. Die Workshops tragen ihre Teil dazu bei“.

Eine große Rolle dabei spielen im Workshop die Beispiele berühmter und nicht berühmter Menschen, die beweisen, das behindert nicht gleich blöd bedeutet.

Sehen Sie hier 5 Biografien von jungen Menschen, die sich von ihrer Beeinträchtigung nicht behindern lassen, aber oft von Menschen behindert wurden. Sie stammen aus einem Jugendmagazin „Reif“ der Telekom aus dem Jahre 2012.

Biograf2

Biograf1

Biograf4

Biograf3

Biograf5

Die Biografie von Pablo Pineda (erster Pädagoge mit Down)  und viele weitere sind  ebenfalls sehr lesenswert und zu finden unter dem Link:

http://www.inklusion-als-menschenrecht.de/gegenwart/biografien/pablo-pineda/

„Pablo Pineda sagt über Menschen mit Down-Syndrom, sie seien genauso wie alle anderen Menschen auch. Im Leben und in der Schule lernten die einen eben schneller und die anderen langsamer. Einige lernen seiner Meinung nach bestimmte Dinge auch nie.“  Workshopmaterialien wie das Blinden- und das Fingeralphabet lassen Fähigkeiten und Stärken entdecken, die hinter einer Beeinträchtigung stecken….

Nach dem Workshop wissen die Schüler/innen, dass alle Menschen gleichwertig und gleichberechtigt sind und dass eine Beeinträchtgung nur ein kleiner Teil von ihnen ist.

Ich danke allen Eltern die mir mit den ausgefüllten Fragebögen und den Gesprächen mit den Kindern ein Bild davon verschaffen, was zu hause ankommt und was zunächst „hängen“ bleibt.

Besonders hat mich folgende Aussage gefreut:“ Mein Sohn war ganz begeistert von diesem Workshop. Er konnte in kurzer zeit, mit viel Spaß eine Menge lernen“.

Viele Grüße

Ulrike Okeng

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